Auch in diesem Jahr organisierte die AG Bertha wieder eine gemeinsame Reise für alle 8. Klassen nach Krakau und Auschwitz. Die Fahrt ist mittlerweile ein wichtiger und traditioneller Bestandteil der historisch-politischen Bildungsarbeit unserer Schule. Sie ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust auseinanderzusetzen – nicht nur im Unterricht, sondern an den Orten, an denen Verfolgung, Entrechtung und millionenfacher Mord tatsächlich stattgefunden haben.

Neu war auch in diesem Jahr die stärkere Einbettung der Reise in eine gemeinsame Vor- und Nachbereitung. Den Auftakt bildete am Montag der Spielfilm „Schindlers Liste“, der die Schülerinnen und Schüler auf die historischen Ereignisse und insbesondere auf die Geschichte Krakaus während der deutschen Besatzung vorbereitete. Dadurch erhielten viele Orte, die während der Reise besucht wurden, einen zusätzlichen Bezug.

In Krakau führte die Auseinandersetzung mit der Geschichte unter anderem in das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz, dem Ghetto Podgorze und zu Orten, die mit der Verfolgung und Deportation der jüdischen Bevölkerung verbunden sind. Ein weiterer wichtiger und neuer Programmpunkt war der Besuch des ehemaligen Arbeits- und Konzentrationslagers Plaszow. An diesen Orten wurde besonders deutlich, wie eng das heutigen Krakau mit der Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung verbunden ist und wie schnell Ausgrenzung und Entrechtung in systematische Gewalt übergehen können.

Den eindrücklichen und zugleich bedrückenden Abschluss der Reise bildete der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Die Dimension des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers, die erhaltenen Gebäude, persönlichen Gegenstände der Opfer und die Berichte über das Schicksal der dort inhaftierten und ermordeten Menschen hinterließen bei den Schülerinnen und Schülern tiefe Eindrücke. Geschichte wurde hier auf eine Weise erfahrbar, die kein Schulbuch und kein Unterrichtsgespräch vollständig vermitteln kann.

Die Fahrt nach Krakau und Auschwitz dient jedoch nicht allein der Vermittlung historischen Wissens. Sie ist zugleich ein zentraler Beitrag zur Demokratieerziehung und zur Stärkung jener Werte, auf denen unsere Gesellschaft basiert: Menschenwürde, Toleranz, Respekt und Zivilcourage.

Gerade in einer Zeit, in der rassistische, antisemitische und rechtsextreme beziehungsweise faschistische Ideologien wieder sichtbarer werden – offen ebenso wie in subtilen Formen – ist es von besonderer Bedeutung, dass junge Menschen ein fundiertes historisches Bewusstsein entwickeln. Die Beschäftigung mit dem Holocaust zeigt in aller Konsequenz, wohin Menschenverachtung, Diskriminierung, Gleichgültigkeit und totalitäre Herrschaft führen können.

Gleichzeitig fördert die Auseinandersetzung mit dieser Geschichte Empathie und Sensibilität gegenüber heutigen Formen von Ausgrenzung, Hass und Hetze. Sie kann Schülerinnen und Schüler darin stärken, Antisemitismus, Rassismus und Geschichtsrevisionismus kritisch zu erkennen und ihnen entgegenzutreten – im persönlichen Umfeld ebenso wie in sozialen Medien oder im gesellschaftlichen Diskurs.

Am Freitag wurde deshalb bewusst Zeit für die Reflexion der Erlebnisse und Eindrücke eingeplant. Gemeinsam konnten die Schülerinnen und Schüler darüber sprechen, was sie besonders bewegt, beschäftigt oder auch erschüttert hatte. Denn eine solche Reise endet nicht mit der Rückkehr nach Hause. Sie soll dazu anregen, die eigene Haltung zu hinterfragen und sich der Verantwortung bewusst zu werden, die jede und jeder Einzelne für ein respektvolles und demokratisches Zusammenleben trägt.

So verbindet die Reise historisches Lernen mit einer wichtigen Frage für die Gegenwart: Was können wir selbst dazu beitragen, damit Ausgrenzung, Menschenverachtung und Gleichgültigkeit keinen Platz in unserer Gesellschaft haben?

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